Die Hexen von Smyrna
Roman von Mara Meimaridi
Aus dem Griechischen von Michaela Prinzinger
Insel Verlag 2011, Frankfurt/M
Klappenbroschur, 510 Seiten, 16,95 €
ISBN: 978-3-458-17512-4mehrAuf dem Dachboden ihres Elternhauses entdeckt Maria ge- heimnisvolle Papiere. Sie findet sie heraus, daß diese einst ihrer Tante Katina gehörten, und beginnt, die unbekannten Schriften zu entschlüsseln – noch ahnt die junge Griechin nicht, daß dies ihr Leben von Grund auf verändern wird …
Es ist das Jahr 1887: Katina kommt als Flüchtlingskind mit ihrer Mutter nach Smyrna. Hier wächst sie im Kreis von Frauen unterschiedlichster Kulturen auf. Griechinnen, Türkinnen, Jüdinnen, Engländerinnen, Französinnen – sie alle verbindet das geheime Wissen um die Magie, das seit Generationen von den Müttern an die Töchter weiter-gegeben wird. Und Katina, klug und mit einem unbändigen Drang nach Unabhängigkeit ausgestattet, weiß dieses Wissen geschickt für sich zu nutzen.
Die Liebestränke und Zaubersprüche verfehlen ihre Wirkung nicht. Die Männer liegen ihr zu Füßen, während sie Schritt für Schritt deren Welt erobert und zur erfolgreichen, unabhängigen Geschäftsfrau und zur Grand Dame von Smyrna wird. Daß es dabei nicht immer mit rechten Dingen zugeht, versteht sich von selbst …
Fesselnd erzählt Mara Meimaridi die Geschichte dreier Generationen von Frauen und entführt uns in die farbenprächtige Welt Smyrnas im 19. Jahrhundert und des
heutigen Griechenlands. Die Hexen von Smyrna ist ihr erster Roman. Er eroberte auf Anhieb die Bestsellerlisten, wurde verfilmt und in mehrere Sprachen übersetzt.
„Das Kaffeeorakel von Hellas - Abenteuer, Alltag und Krise in Griechenland"
von Andreas Deffner:
ISBN: 978-3-86870-203-3, erschienen im ReDiRoma-Verlag, Remscheid 2010, 214 Seiten, 12,95 Euro
mehrNeuerscheinung
Das Kaffeeorakel von Hellas - Abenteuer, Alltag und Krise in Griechenland
In seinem neuen Buch „Das Kaffeeorakel von Hellas -Abenteuer, Alltag und Krise in Griechenland" erzählt Andreas Deffner liebevoll kleine Geschichten aus dem griechischen Alltag, die zusammen ein Bild von Griechenland ergeben, das jenseits der üblichen Touristenwege liegt. Die Dialoge und Spazier- gangsgespräche zeigen Gepflogenheiten und Lebensstil des Landes, ohne belehrend oder belanglos zu sein.Andreas Deffner: „Das Kaffeeorakel von Hellas - Abenteuer, Alltag und Krise in Griechenland" ISBN: 978-3-86870-203-3, erschienen im ReDiRoma-Verlag, Remscheid 2010, 214 Seiten, 12,95 Euro
Ein Kaffeebummel im Großstadtmoloch Athen, eine Berg- wanderung in der Einsamkeit des Epirus, poetische Strandspaziergänge, eine Olivenernte auf dem Peloponnes, ein Kaffeelassenslalom im Skigebiet oder ein erschreckender Ausflug in die Waldhrandgebiete:
Mit Anekdoten und netten Nebengeschichten aus- geschmückt, bilden die einzelnen Kapitel ein amüsantes und unterhaltsames Puzzle des griechischen Lebensstils und entsprechen damit dem Charakter der Griechen, wie der Autor ihn versteht und deutet.
Das letzte Kapitel des im Mai fertiggestellten Buches sticht deutlich aus der Reihe: Der Autor nimmt Stellung zur Finanzkrise und dem Image der Griechen als „Betrüger in der Euro-Familie". Bei diesem Buch machen der elegante Wortwitz und die Situationskomik bis zur letzten Seite Spaß. (ej)
Weitere Informationen unter:
www.abenteuer-griechenland.eu/index.htmlDie Freiheit kam im Mai
Iakovos Kambanellis
aus dem Griechischen von Elena Strubakis
mit der CD „Mauthausen Cantata“
Ephelant Verlag, 2010, ISBN:978-3-900766-17-7 € 22,00; ISBN: 978-3-900766-18-4, € 34,00
mehrBeschreibung
Neuerscheinung Iakovos Kambanellis Die Freiheit kam im Mai erstmals aus dem Griechischen ins Deutsche übersetzt von Elena Strubakis mit der CD „Mauthausen Cantata“ Text: Iakovos Kambanellis Musik: Mikis Theodorakis Iakovos Kambanellis zählt zu den bekanntesten Bühnen- und Filmautoren Griechenlands. Seine Popularität gründet sich ebenso auf die oft gespielten und gesungenen Vertonungen seiner Gedichte, besonders auf die weltweit bekannte „Mauthausen Cantata“, die von Mikis Theodorakis vertont wurde.
Iakovos Kambanellis war Häftling im Konzentrationslager Mauthausen. Er schildert die Zeit der Gefangenschaft, den Tag der Befreiung, den 5. Mai 1945, das Leben im Lager in den fol-genden Monaten und die Kontakte mit der Bevölkerung in den nahen Dörfern und Bauern-höfen, das Leben des Aufbruchs in die Freiheit, die ersten Schritte in eine neue Epoche.
Mikis Theodorakis sagt zu dieser ersten Übersetzung des Werkes ins Deutsche, das in Griechenland mehr als 30 Mal aufgelegt wurde:
„Der Dichter beweist in seinem Buch, dass er stärker als seine Kerkermeister ist, weil er uns überzeugend zeigt, dass sich sogar in der Hölle die Liebe letztendlich als das Stärkere erweist.“
Bestellungen: Ephelant Verlag, A–1010 Wien, Plankeng. 7: +431 513 48 58; ISBN:978-3-900766-17-7 € 22,00; ISBN: 978-3-900766-18-4 mit CD € 34,00Reina Gilberta
Nina Nahmia
Ein Kind im Ghetto von Thessaloniki
Cover: Reina Gilberta
Metropol-Verlag, Berlin 2009, ISBN-978-3-940938-46-6
Kartoniert, 261 Seiten, 22,00 EURmehrBeschreibungThessaloniki 1943. Am 8. Februar treten die national- sozialistischen Nürnberger Rassengesetze auch im be- setzten Griechenland in Kraft. Bereits am 25. Februar 1943 beginnt die Deportation von Juden in die Arbeits- und Vernichtungslager. In 18 Transporten werden mehr als 45 000 Juden verschleppt, von denen kaum 1000 zurückkehren. Eine von ihnen ist Edda, die zentrale Figur dieser authentischen Geschichte. Ihre zweijährige Tochter konnte sie rechtzeitig einem katholischen Kloster anvertrauen. Die kleine Réina überlebt unter dem Namen Gilberta den Krieg. Jahrzehnte später, nach dem Tod der Eltern, erzählt sie der Athener Autorin Nina Nahmia die Geschichte ihrer Familie.
Rezension: Argyris Sfountouris
SECHZEHN KLEINE GRIECHISCHE VERBRECHEN
Georgallidis, Sophia (Hrsg.)
Anthologie griechischer Kriminal- und Noir-Erzählungen
Übersetzt von Sophia Georgallidis.
Romiosini Verlag, Köln 2009, ISBN 978-3-929889-80-2, 2009, 1. Ed., 135 S.
mehrBeschreibungFür diese vorliegende Anthologie wurden Geschichten von den wichtigsten Krimiautoren Griechenlands gesammelt und übersetzt. Mit einem Nachwort vom Autor und Literaturkritiker Filippos Filippou - einem guten Kenner der griechischen Kriminalliteratur.
Mit Texten von: Andreas Apostolidis, Titina Danelli, Neni Efthymiadi, Sergios Gagas, Athina Kakuri, Fondas Ladis, Jannis Maris, Petros Markaris, Petros Martinidis, Amanda Michalopoulou, Tolis Nikiforou, Pavlos Nirvanas, Alexandros Papadiamantis, Sakis Serefas, Filippos Filippou, Thanassis Chimonas
Rezension: Jens Beucker
DIE SONNENBLUMEN DER JUDEN
Hrsg.: Niki Eideneier
Eine Anthologie zum Leben und Schicksal der griechischen Juden. us dem Griechischen von: Brigitte Münch, Theo Votsos, Sophia Georgallidis u. a. ISBN 9783929889772, 2006, 1.Aufl., 400 S. Romiosini Verlag, 24,80 €mehrDas Thema dieser Anthologie ist:Die Sonnenblumen der Juden
"Literarische Zeugnisse über die Juden in Griechenland".
Es kommen Griechen und griechische Juden zu Wort, Nachkommen - Familienmitglieder - Nachbarn - Schriftstel- ler, aber auch unbeteiligte, sensible, alte und neuere Autoren verarbeiten hier literarisch ihre persönlichen und erdachten Erlebnisse und Gefühle.
Griechen jüdischer Herkunft und jüdischen Glaubens wohnten in vielen Orten Griechenlands, z. T. bereits in vorchristlicher Zeit. Wie die Einführungen von Christos Safiris und Manuel Gogos, sowie der ausführliche abschließende Text von Anastassis Vistonitis berichten, war vor allem die jüdische Gemeinde in Thessaloniki das Zentrum der Juden in Griechenland, deren Geschichte sich ab der Zeit der Römer belegen lässt.
Bis ins 19. Jahrhundert war die Stadt, die zur Blütezeit des intellektuellen Lebens im 16. Jahrhundert "Mutter Israels" genannt wurde, Anlaufstelle und Zufluchtsort für Juden aus Zentraleuropa, Italien, Spanien, Portugal und Russ- land. Der Anteil jüdischer Bewohner machte Ende des 19. Jahrhunderts mit über 70 000 Personen etwa die Hälfte, zu Beginn der 30er Jahre des 20. Jahrhunderts mit 50 000 immer noch 20% der Einwohner aus. Das Ende des jü- dischen Lebens begann 1941 mit der deutschen Besat- zung und dem Abtransport nach Auschwitz und Birkenau, heute leben nur noch etwa 1 200 Juden in der Stadt.
Die literarischen Texte werden in diesem Buch in drei großen Teilen präsentiert, die markante zeitliche Einschnitte im Leben der Juden in griechischen Groß- und Kleinstädten signalisieren: vor, während und nach dem Holocaust. Die Autoren beschreiben mal sehr ernst, mal mit einem gewissen Humor Situationen aus dem Alltag ihrer Figuren, immer im konkreten gesellschaftlichen Kontext eingebettet. Sie begleiten dann ihre Landsleute auf den Leidensweg und reflektieren, oft sehr kritisch, über die Auswirkungen des Holocaust. Die "eingestreuten" Gedichte tragen zum Gesamtbild der griechisch-jüdischen Kultur und des Schicksals der Juden bei und runden das Buch ab.
Jedes Mal wenn unsere Treppe knarrt,
denke ich "sind sie es etwa endlich",
und dann gehe ich weg und male
stundenlang knallgelbe Sonnenblumen.Doch morgen werd ich, bis man mich
Um dann spät nachts, falls sie ausstiegen,
vergisst im Wartesaal, den Zug
aus Krakau abwarten.
blass, mit zusammengebissenen ZähnenDer Lyraspieler
Zacharias G. Mathioudakis
Michalis Rizikianakis aus Klima (Kreta), genannt Rizikianos, der Lyraspieler, erzählt seine Lebensgeschichte.
Sedones 14, Mähringen 2010, ISBN 978-3-937108-21-6
68 Seiten, 9,80 €
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Nicht einmal meinen Namen kann ich mehr schreiben. Die Musik von meiner Lyra kommt aber immer noch aus meinem Kopf. Tag und Nacht lassen mich meine Melodien und meine Lieder keine Ruhe finden. Um leben und überleben zu können, habe ich viele Berufe ausgeübt. Ich war Feldhüter, Maurer, Hilfsarbeiter in einer Olivenölmühle, Bauer, Gärtner, Fischer, Metzger und Viehhändler – ich war also ein Berufsnomade. Das Lyraspiel begeistert mich seit der Kindheit. Und wenn es ein Leben nach dem Leben gibt, dann möchte ich immer und überall ein Lyraspieler sein.
Michalis Rizikianakis aus Klima (Kreta), genannt Rizikianos, der Lyraspieler, erzählt seine Lebensgeschichte. Aufge- schrieben hat sie sein Neffe Zacharias G. Mathioudakis.Die Augen des Meeres
Ioanna Karystiani
Aus dem Griechischen von Michaela Prinzinger
Suhrkamp Verlag, 2009, geb., 305 S.,
ISBN: 978-3-518-42104-8, 22,80 €mehrVerlagstext:
Dimitris Avgustis fährt seit sechzig Jahren zur See. Die Weltmeere kennt er in- und auswendig, und um seine Mannschaft zu befehligen, genügt ein strenger Blick. Das Meer hält ihn gefangen: Seit mehr als zwölf Jahren hat er kein Land mehr betreten, und trotz seines Alters weigert er sich beharrlich, das Kommando über das Schiff abzugeben. Als eines Tages seine Frau überraschend an Bord kommt, um ihren Mann nach Hause zu holen, macht sie eine bestürzende Entdeckung, die beider Leben von Grund auf verändern wird …
Ioanna Karystiani zeichnet das Porträt eines Mannes, der, hin und her gerissen zwischen Pflicht und Neigung, seinen Weg zu einer lange vernachlässigten Familie und zu einer lange verdrängten Liebe finden muß. Wie schon in ihren beiden erfolgreichen Romanen Die Frauen von Andros und Schattenhochzeit gelingt es der Autorin auch hier, die Welt der Seefahrer und ihrer an Land zurückbleibenden Frauen lebendig werden zu lassen.Schattenhochzeit
Ioanna Karystiani
Roman
Aus dem Griechischen von Michaela Prinzinger
Suhrkamp Taschenbuch 2005, Broschur, 391 Seiten, 11,50 €
ISBN: 978-3-518-45702-3mehrInhaltKyriakos Roussias, angesehener Genforscher in den USA, kehrt nach fast dreißig Jahren erstmals nach Kreta, an den Ort seiner Kindheit zurück, und steht damit unwissentlich in einer in der Familie langwährenden Tradition der Blutrache: Die Reihe ist an ihm, den Tod seines Vaters zu rächen. Von Amerika in die dörfliche kleine Gemeinschaft versetzt sieht sich der Wissenschaftler plötzlich mit diesem archaischen Ritual konfrontiert. Kann er sich diesem entziehen? Mit jedem Tag seines Aufenthalts wird ihm das ungeschriebenen Gesetz der Vendetta vertrauter, und als es zur Begegnung mit dem Mörder seines Vater kommt, muß er handeln.
Kreta - das ist die Heimat Alexis Sorbas', die Insel der Männer in ihren schwarzen Hemden und den weißen Stiefeln, deren Großväter Helden im Unabhängigkeitskampf gewesen sind und deren Väter im Zweiten Weltkrieg ihr Leben in der Schlacht auf Kreta ließen. Kreta ist aber auch die Insel der Frauen, die Rache schüren, wie einst Elektra, mit Worten oder mit Schweigen, und sie müssen für sich die Frage entscheiden, ob sie Ehefrauen bzw. Mütter eines Mörders oder eines Opfers sein wollen - meist sind sie beides.
Ein angesehener Wissenschaftler kehrt aus den USA nach Kreta an den Ort seiner Kindheit zurück und wird erstmals mit dem Drama seiner Familie konfrontiert: einer seit Generationen währenden Tradition der Blutrache. Auch sein Vater war Mörder - und Opfer. Wird er dem Zwang von Mord und Vergeltung entkommen?
(Verlagstext)
DAS BETT UND ANDERE ERZÄHLUNGEN
Ioannou, Jorgos
(GRIECHISCH-DEUTSCH)
Übersetzt von Käthi Dorfmüller-Karpusa.
ISBN 9783923728657 / 2001 / 2. Ed. / 145 S.
mehrBeschreibung
Die Stadt Thessaloniki, ihre Flüchtlinge, ihre Juden und die neueste Geschichte liefern den Stoff für die meisten Erzählungen dieses Autors. Seine sensible Schreibweise kann sich auch schonungslos gegen Mißstände und verknöcherte Ansichten richten.
Jorgos Ioannous Lieblingsthemen sind Geschichten scheinbar bedeutungsloser Personen. Es sind alltägliche, tragische und bisweilen komische Schicksale oder beides, die er fast karikaturenhaft, aber mit einer gewissen Sympathie skizziert. Peter A. Mackridge schreibt dazu: "Obwohl die Ereignisse und die Gefühle, die Ioannou beschreibt, sich auf die griechische Wirklichkeit beziehen, sind sie trotzdem vom universellem Interesse."
Thessaloniki trägt wie viele alte Städte, in der sich einiges abgespielt hat, noch heute die Spuren alter Leiden und Sünden, aber auch leuchtender Höhepunkte. Jorgos Ioannou gehört zu den wenigen, die diese Spuren noch wahrnehmen und darüber schreiben.
In seinen Kurzgeschichten schildert er häufig scheinbar autobiographisch das Leben in seiner Heimatstadt Thessaloniki, in den schwierigen Jahren vor, während und nach dem zweiten Weltkrieg. In vielen seiner Erzählungen verschwinden immer wieder die Grenzen zwischen dem Klassischem Altertum, dem Alltag in Byzanz und in seiner Gegenwart. Vergangenes und Gegenwärtiges gehen direkt, ohne daß der Leser es merkt, ineinander über. In den Straßen und Plätzen der Altstadt sieht er eine bemerkenswerte Kontinuität des Alltags. Dieselben Bettler, Ganoven und Dirnen, die zur Zeit der Blüte des byzantinischen Thessaloniki den damals vor den Stadttoren gelegenen Vardariplatz bevölkerten, scheinen auch heute ihrer Tätigkeit nachzugehen.
Jorgos Ioannou ist immer bestrebt, einfach und ehrlich zu beschreiben. Er selbst sagt: "Ich weiß nicht, ob das, was ich denke, für die Menschen einen Fortschritt bedeutet. Und sicher ist mir das nicht gleichgültig. Vor allem aber bin ich bemüht, ehrlich zu schreiben oder eher mit Andacht. Ich dürste nach der Beichte, die ja immer irgendwie erleichtert."Leseprobe: Am Tag, an dem sie aus unserer Nachbarschaft die Juden einsammelten, brachten wir dieses Einzelbett zu uns herauf, und schon vom selben Abend an schlief ich darin. Seine Steppdecke, Matratze und seine schmutzige Bettwäsche hatten inzwischen andere weggenommen. Das Bett war der einzige Gegenstand, der schließlich in der wild ausgeplünderten Wohnung zurückgeblieben war. Es war auch das einzige jüdische Eigentum, das wir nach langem Zögern an uns nahmen. Ich schwöre es. Isos schlief darin. Er war zwei oder drei Jahre älter als ich, aber mein Freund. Oft, wenn wir in seiner Wohnung Verstecken oder andere Spiele spielten, versteckten wir uns oder krochen darunter, um den Ball zu holen, der weggerollt war. Als meine Familie einmal ausgegangen war, hatte man uns sogar in diesem Bett zusammen schlafen lassen. Damals habe ich zum erstenmal den jugendlichen behaarten Kranz der Pubertät gesehen. Es ist wahr, daß das Bett ziemlich viele Wanzen hatte, und trotz unserer späteren Nachstellungen haben wir sie nie ganz ausrotten können. Es kamen Zeiten, an denen ich Gott fr diese Rettung gepriesen habe. Ein wenig von Isos¿ Blut war gerettet und hatte sich vielleicht mit dem meinen vereinigt. (...)Jórgos Ioánnou (1927 − 1985) (Pseudonym für Jorgos Sorolopis) wurde als Sohn von Flüchtlingen aus dem östlichen Thrakien in Thessaloniki geboren, wo er aufwuchs und Philologie studierte. Er versah viele Jahre seinen Dienst an höheren Schulen in verschiedenen Gebieten Griechenlands und eine Zeitlang an einem griechischen Gymnasium in Bengasi/ Lybien.
Er begann als Lyriker, machte sich aber später als Prosaschriftsteller vor allem mit Erzählungen und Prosageschichten einen Namen. Sein Werk besteht aus einer Reihe von Studien über die urbane Kultur und die menschlichen Charaktere Griechenlands, besonders Thessalonikis. 1971 ließ er sich in Athen nieder.Seine wichtigsten Werke sind: "Ja ena philotimo" (Der Ehre wegen), "Ta chilia dentra" (Die tausend Bäume), "Sarkophagos" (Der Sarkophag), "I moni klironomia" (Das einzige Erbe), "Diko mas äma" (Unser eigenes Blut), "Omonia" (Eintracht), "Pollapla katagmata" (Vielfache Brüche) u.v.a.m.
Auf deutsch erschien: die Erzählung "Hoch oben am Eski Delik" in: Saloniki erzählt (Hrsg. N. Eideneier − P. Sfyridis), Romiosini, Köln 1989. Die Erzählung "Am Hause Kemals" in: Thessaloniki − Bilder einer Stadt (Hrsg. N. Eideneier − H. Eideneier) Romiosini, Köln 1992 und in Kalimerhaba (Hrsg. N. Eideneier − A. Toker), Romiosini, Köln 1992. Der Erzählband "Das Bett und andere Erzählungen" (gr.−dt.), Romiosini, Köln 1994. Die Erzählung "Die Hunde von Seich−Sou" in: Griechische Erzählungen des 20. Jahrhunderts (Hrsg. Danae Coulmas), Insel, Frankfurt/Main − Leipzig 2001².Die Erzählung "Wartend am Altar" in: Rückkehr und Ankunft "die horen"
(Hrsg. Niki Eideneier und Torsten Israel), 46. Jahrgang, Bd. 2, 2001DIE STOFFPUPPE (AUTOBIOGRAPHISCHE NOVELLE)
Delidimitriou-Tsakmaki, Eleni
Romiosini Verlag, 1993, ISBN 9783923728893, 251 S.,11,25€
mehrBuchvorstellung
Die Autorin schildert in einfacher, und umso eindring- licherer Sprache ihre Kindheit während der harten Kriegs- und Nachkriegsjahre in Nordgriechenland, die sie, adoptiert von einer aus Kleinasien stammenden Familie, in Griechenland verbrachte. Dann ist der Weg nach Deutschland frei...
"Seit dreißig Jahren lebe ich jetzt schon unter dem dunklen Himmel von München.
Meine Kinder sind groß geworden und haben das Haus verlassen. Nun wachsen auch meine Enkelkinder heran, denen ich half, sooft sie mich brauchten.
Jetzt habe ich mehr Zeit für mich selbst. ... Ich nehme Stift und Papier und notiere alles, woran ich mich in meinem Leben erinnere. Das ist die einzige Art, die langen Tage im fernen München zu verbringen, in das ich vor vielen Jahren kam, eine junge Frau noch, mit vielen Träumen.
'Wir kehren bald zurück', sagte ich allen. 'Spätestens in zwei Jahren, bis wir uns ein eigenes Haus bauen. Paßt mir bloß auf die Kinder auf, und schreibt mir oft.'
Aus zwei Jahren wurden dreiunddreißig und wer weiß, wie viele noch vergehen werden, bis ich meine Augen schließe. Jetzt weiß ich, als ich damals den Vertrag für ein Jahr Deutschland unterschrieb, unterschrieb ich ihn für mein ganzes Leben. So, wie die Dinge sich entwickelt haben, bin ich gefesselt und kann mich nicht lösen und fliehen, mich endlich losreißen, um in mein Haus zurückzukehren, das ich so viele Jahre mit Liebe herrichtete und so alles zusammentrug: 'Da, das für Griechenland, und das für mein Haus.'
Jetzt, da alles fertig ist, könntet ihr mich fragen, wieso gehst du nicht endlich? Ich denke auch daran, aber ich bin unentschlossen, ich weiß nicht, was ich will. Wie soll ich gehen, wo sich meine Kinder mittlerweile alle hier niedergelassen haben? Daran denke ich jeden Abend um die Zeit, wenn der Tag der Nacht begegnet, die Uhren stehenbleiben und sich meine Gedanken in der Vergangenheit verlieren. Darum habe ich alle Erinnerungen aus meinem Leben, böse und gute, traurige und fröhliche, zusammengetragen und sie diesem weißen Blatt Papier anvertraut.
Meine Geschichte beginnt etwa 1942. In jenen Kriegstagen, als der Hunger die Menschen hinwegraffte, die alle ihr letztes Hab und Gut für ein Stück Brot hergaben. Sogar ihre Kinder. Und das war auch bei mir der Fall."
"viel zu spät habt ihr mir geschrieben"
hinzuwerfen, als wäre nichts.

















